Gesund oder toxisch – wie steht es um Ihre Beziehung zu Alkohol?

Aktualisiert: 15. Sept.
Alkohol ist tief in unserem sozialen, beruflichen und kulturellen Leben verankert. Für viele Menschen steht er für Spaß, Verbundenheit oder Entspannung. Was jedoch oft übersehen wird, sind die langfristigen Auswirkungen auf unsere innere Stärke und Resilienz. In diesem Artikel beleuchte ich, warum Alkohol häufig eher ein Problem als eine Lösung darstellt, wie er die Belohnungs- und Regenerationsprozesse des Gehirns beeinflusst und warum eine Verbesserung Ihrer persönlichen Lebenszufriedenheit manchmal einen bewussteren Umgang mit Alkohol erfordert. Außerdem zeige ich Ihnen Wege auf, wie Sie Ihre natürliche Lebensfreude und innere Stabilität wieder aufbauen können.
In diesem Artikel erfahren Sie mehr über:
Alkohol: Die Realität hinter der Gewohnheit
Der Konsum von Alkohol ist in den meisten Teilen der Welt gesellschaftlich tief verankert und weitgehend normalisiert. In Deutschland geben mehr als zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung an, innerhalb der letzten 30 Tage Alkohol konsumiert zu haben. Weitere Zahlen zeigen:
75 % konsumieren regelmäßig oder gelegentlich Alkohol
20 % trinken mehr als die empfohlenen Mengen
14 % weisen einen riskanten Alkoholkonsum auf
4 % erfüllen die Kriterien einer Alkoholabhängigkeit
Auch im beruflichen Umfeld spielt Alkohol eine große Rolle.
Tatsächlich kann bei Geschäftsessen, Networking-Veranstaltungen und Konferenzen die Entscheidung, keinen Alkohol zu trinken, gar zu subtilem – und manchmal auch weniger subtilem – sozialem Druck führen.
Vom riskanten Konsum zur Abhängigkeit
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet in ihrer Klassifikation ICD-11 zwischen verschiedenen Graden alkoholbezogener Probleme:
Riskanter Konsum
Riskanter Alkoholkonsum beschreibt ein Trinkverhalten, das bereits mit einem erhöhten Risiko für körperliche oder psychische Schäden verbunden ist – auch wenn noch keine Abhängigkeit vorliegt.
Typische Anzeichen sind:
Regelmäßiger Alkoholkonsum oberhalb der Empfehlungen für einen risikoarmen Konsum
Alkoholkonsum als Bewältigungsstrategie bei Stress, belastenden Emotionen oder Schlafproblemen
Erste Anzeichen negativer Folgen (z. B. schlechterer Schlaf, verminderte Regeneration oder emotionale Instabilität)
In dieser Phase sind viele Menschen im Alltag weiterhin voll funktionsfähig. Das langfristige Risiko für psychische und körperliche Folgen ist jedoch bereits deutlich erhöht.
Schädlicher Konsum
Eine zentrale Voraussetzung für diese Diagnose ist der Nachweis tatsächlicher körperlicher oder psychischer Schäden, die durch den Alkoholkonsum verursacht werden. Diese Beeinträchtigungen müssen direkt mit dem Konsum von Alkohol in Zusammenhang stehen.
Die ICD-11-Kriterien umfassen:
Nachweisbare körperliche Gesundheitsschäden (z. B. Lebererkrankungen, Schlafstörungen oder alkoholbedingte Verletzungen)
Nachweisbare psychische Beeinträchtigungen (z. B. Depressionen, Angststörungen oder kognitive Einschränkungen)
Bei schädlichem Alkoholkonsum sind die negativen Folgen bereits messbar, auch wenn die Kontrolle über das Trinkverhalten teilweise noch vorhanden sein kann. Für die Diagnose ist keine Alkoholabhängigkeit erforderlich.
Alkoholabhängigkeit
Im Falle einer Alkoholabhängigkeit ist der Alkoholkonsum strukturell im Verhalten und in der Selbstregulation der betroffenen Person verankert. Alkohol nimmt eine zentrale Priorität im Leben ein, beispielsweise gegenüber Familie, Arbeit oder Hobbys.
Es besteht ein Verlust der Kontrolle über das Trinkverhalten – sowohl hinsichtlich Beginn, Ende als auch der konsumierten Menge. Ein wesentliches Merkmal ist also, dass der Alkoholkonsum nicht mehr vollständig willentlich gesteuert ist.
Das Syndrom ist zusätzlich gekennzeichnet durch eine physiologische Toleranzentwicklung oder Entzugssymptome (z. B. Schwitzen, Angstzustände) sowie durch den fortgesetzten Konsum trotz eindeutig negativer Konsequenzen.
Menschen bewegen sich oft schrittweise von einem risikoarmen Konsum über riskanten und schädlichen Gebrauch bis hin zur Abhängigkeit. Frühzeitige Intervention gilt als besonders wirksam in der Phase des riskanten Konsums.
Dopamin und das Gehirn
Alkohol beeinflusst direkt das Belohnungssystem des Gehirns. Wiederholter Konsum kann damit über die Zeit verändern, wie wir Freude und Belohnung wahrnehmen
Menschen, die regelmäßig bzw. übermäßig Alkohol konsumieren berichten über:
Verringerte Freude an alltäglichen Aktivitäten
Ein stärkeres Verlangen nach externer Stimulation
Schwierigkeiten, sich ohne Substanzen „gut“ zu fühlen
Dies muss kein dauerhafter Zustand sein, sondern ist zunächst erstmal eine neurobiologische Anpassung. Aber gerade in frühen Phasen der Reduktion von Alkohol kann es sich emotional zunächst flach oder ungewohnt anfühlen. Das Gehirn stellt sich dabei von extern ausgelösten Belohnungen auf intern erzeugte Belohnung um – und das braucht Zeit.
Die gute Nachricht ist: Diese Umstellung ist vorübergehend. Mit der Zeit gewinnen die natürlichen Belohnungssysteme wieder an Sensibilität und nehmen Schwung auf. Natürliche Quellen von Freude und Motivation werden dadurch erneut leichter zugänglich.

Alkohol und innere Stärke
Viele Menschen sehen Alkohol als Mittel, um sich selbst zu belohnen oder zu entspannen. Ja, Alkohol kann kurzfristig Stress, Angst oder emotionalen Druck reduzieren. Doch das löst nicht die zugrunde liegenden Ursachen emotionaler Belastung.
Das Problem ist: Ausweichen oder Flüchten führt nicht zu innerer Stärke, es schwächt uns.
Innere Stärke entsteht durch echte Präsenz.
Daher ist es wichtig zu sehen, dass ein übermäßiger Konsum von Alkohol potenziell unsere
emotionale Widerstandsfähigkeit verringert,
Selbstregulation und Disziplin beeinträchtigt,
die Schlafqualität und Regeneration verschlechtert und
die emotionale Verarbeitung (z. B. von Stress oder belastenden Erfahrungen) beeinträchtigt.
Vor diesem Hintergrund ist für Klientinnen und Klienten in meiner Praxis, die sich in Richtung riskanten oder schädlichen Konsums bewegen, die Entwicklung eines bewussteren und gesünderen Umgangs mit Alkohol oftmals ein notwendiger Schritt, um tiefere persönliche oder berufliche Veränderungen überhaupt zu ermöglichen.
Ihre natürliche Lebensfreude wiederentdecken
Der Weg zu mehr innerer Stabilität, Resilienz und Lebenszufriedenheit beginnt mit der Stärkung Ihrer Unabhängigkeit von externen Substanzen. Ich spreche im Coaching auch davon, sich vom Alkohol zu emanzipieren.
Es geht darum, die eigene natürliche Lebensfreude und psychische Balance wiederzuentdecken, d.h. Ihrem Gehirn die Chance zu geben, wieder zu erlernen, positive Emotionen wie Fröhlichkeit oder Entspannung ohne chemische Stimulation zu empfinden.
Das können zum Beispiel sein:
Alkoholfreie Tanzveranstaltungen (z.B. Ecstatic Dance)
Musik, Singen und Theaterspielen
Intimität und Sexualität ohne Substanzen
Sport und körperliche Bewegung
Reisen und Entdecken neuer Orte
Abenteuer in der Natur
Sich nüchtern in die ein oder andere Richtung auszuprobieren, kann sich anfangs ungewohnt – oder sogar weniger intensiv – anfühlen. Mit der Zeit verändert sich dies jedoch im Gehirn, und Sie entwickeln eine stabilere und nachhaltigere Form des Wohlbefindens.
Wenn Sie sich auf den Weg machen, lernt Ihr Gehirn nach und nach, die volle Verantwortung für Ihr eigenes Leben (wieder) zu übernehmen, anstatt davor zu flüchten.
Und Sie werden die Erfahrung machen, wie gut es sich anfühlt, sich wirklich etwas Gutes zu tun und sich um sich selbst zu kümmern.
Power on – shine your light!
Sie möchten wieder voll in Ihre Kraft kommen und Ihr Leben positiv verändern?
Ich unterstütze Sie gerne.
Vereinbaren Sie ein Erstgespräch in meiner Praxis – online oder Vorort in Berlin.
Psychologin M.Sc. und Coach Dr. rer. pol. Jessica Di Bella
Kontakt: mail@jessicadibella.de
Mehr Informationen: jessicadibella.de und praxisdibella.de
Literatur
European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction. (2024). Alcohol use disorders in Europe: prevalence estimates and trends. https://www.emcdda.europa.eu
German Federal Centre for Health Education (BZgA). (2024). Alcohol consumption and risk consumption in Germany. https://www.gbe-bund.de
German Federal Centre for Health Education (BZgA). (2023). Alcohol: effects, consequences, and dependence. https://gesund.bund.de/en/alkohol
Rauschert, C., Möckl, J., Seitz, N. N., Wilms, N., Olderbak, S., & Kraus, L. (2022). The use of psychoactive substances in Germany: Findings from the Epidemiological Survey of Substance Abuse 2021. Deutsches Ärzteblatt International, 119(31–32), 527–534. https://doi.org/10.3238/arztebl.m2022.0244
Olderbak, S., Hollweck, R., Krowartz, E. M., Möckl, J., & Hoch, E. (2025). Psychoactive substance use in Germany: Findings from the Epidemiological Survey of Substance Abuse 2024. Deutsches Ärzteblatt International, 122, 625–631. https://doi.org/10.3238/arztebl.m2025.0157
World Health Organization. (2019). International classification of diseases 11th revision (ICD-11): Disorders due to substance use. https://icd.who.int


