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PSYCHOLOGIE & COACHING

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Self-Leadership: Wie Sie in sich eine gute Basis für Veränderung schaffen

  • Autorenbild: Dr. Jessica Di Bella
    Dr. Jessica Di Bella
  • 1. Feb.
  • 6 Min. Lesezeit

Manche Menschen gehen geschmeidiger mit Veränderungen um als andere: Während der eine monatelang mit Miesepeter-Laune durch die Gegend läuft, sich über die böse Welt oder das Schicksal beschwert und darauf wartet, dass alles (wieder) gut wird, tänzelt eine andere bereits Wochen später vor neuen Ideen sprühend über eine imaginäre Bühne. Ein Grund für den unterschiedlichen Umgang mit Veränderung liegt in der Art begründet, wie ob und wir uns selbst führen. In diesem Artikel über Self-Leadership bespreche ich mit Ihnen, wie Sie mit Ihrem Mindset eine gute Basis in sich schaffen, um positiv und effektiv mit Veränderungen in Ihrem privaten oder beruflichen Leben umzugehen.


In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über:



Veränderung als Störung Ihres inneren Gleichgewichts


Für viele Menschen schmecken Veränderungen immer ein wenig nach Verlust: nach dem Verlust des Status Quo. Der Job wird durch KI ersetzt oder das eigene Unternehmen geht den Bach hinunter; es trennt sich der Partner oder das Kind geht – scheinbar plötzlich und gefühlt zu früh – eigene Wege. Wer von Ihnen mag es schon, wenn sich Ihr komfortabel eingerichtetes Leben von heute auf morgen und vor allem ohne Ihre Zustimmung ändert? Derartig radikale Veränderungen, mit denen die meisten von uns negative Gefühle verbinden, stören unser inneres und äußeres Gleichgewicht – unter Umständen sogar nachhaltig.


Doch nicht nur scheinbar negative Veränderungen haben es in sich. Manchmal kann es auch ganz schön bitter sein, wenn ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung geht oder man ein großes Ziel erreicht. Ich erinnere mich noch genau an die Zeit direkt nach meiner Promotion. Nach Jahren der Mühen und Entbehrungen, hatte ich es endlich geschafft: Die Doktorarbeit war abgegeben – ich war promoviert! Eigentlich ein Grund, um überglücklich zu sein, oder nicht? War ich aber nicht, denn von einem Tag auf den anderen wurde ich in eine neue Lebensphase hineinkatapultiert, mit der ich mich vorher, vor lauter Fokus auf das große Ziel, kaum auseinandergesetzt hatte und für die ich zunächst auch keine Vision hatte – zumindest keine, die ich in diesem Moment als attraktiv empfand. Das war 2014 und ich war damals in Stanford. Dort nannte man die Phase in der ich mich befand die „Dissertation Drought“, die Dissertationsdürre. Das traf es ganz gut und ich kann nur sagen, da war weit und breit kein Tröpfchen Wasser in Sicht!


Self-Leadership: Wie Sie in sich eine gute Basis für Veränderung schaffen | Photo: Aamir Suhail via Unsplash
Self-Leadership: Wie Sie in sich eine gute Basis für Veränderung schaffen | Photo: Aamir Suhail via Unsplash


Viva la revolución! Oder vielleicht lieber doch nicht?


Veränderungen müssen aber nicht immer so schwerwiegend sein. Es gibt im Grunde zwei verschiedene Arten von Veränderungsprozessen: revolutionäre und evolutionäre Prozesse. Über revolutionäre Veränderungen haben wir eben schon gesprochen. Der zweite Fall, der evolutionäre Wandel, schlägt sehr viel moderatere Töne an. Hier befindet sich unser Gleichgewicht selbst in einer ständigen Weiterentwicklung. Evolutionärer Wandel ist im Prinzip ein Veränderungsprozess mit ständigen, kleinen Veränderungen, mit denen wir unser Leben an die Umstände anpassen. Diese kontinuierliche Anpassung ermöglicht es uns unter Umständen auch, die Umstände selbst zu verändern. Wenn Sie sich also nicht sehr gerne von revolutionären Veränderungen überraschen lassen, hilft es, Ihre Sensibilität für die Dynamiken in Ihrer Umwelt zu schärfen. Wenn Sie Veränderungen im Außen früh wahrnehmen, können Sie sich antizipativ in die Zukunft hinein entwickeln – und sie vor allem proaktiv mit gestalten.


Eine meiner Klientinnen beispielsweise wollte sich beruflich weiterentwickeln. Die Branche, in der sie arbeitete, hatte mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ihr Job war alles andere als sicher und gleichzeitig hatte sie auch das Gefühl, nicht mehr mit vollem Herzen dabei zu sein. Jetzt hätte sie natürlich darauf warten können, dass es „Bäng“ macht und sie ihren Job verlieren würde. Mithilfe des Coaching jedoch hat sie für sich einen anderen Weg gewählt: sie führte sich selbst durch einen Veränderungsprozess hindurch, mit dem Ziel in einem neuen Beruf zu arbeiten – in einem Beruf, der wirklich ihren Stärken und ihrer Leidenschaft entsprach. Meine Klientin wurde zur aktiven Gestalterin ihrer Zukunft und Ihr antizipatives und proaktives Verhalten hat nach wenigen Monaten Früchte getragen.


Das Self-Leadership-Mindset


Neue Lebensphasen brauchen neue Visionen, neue Ziele und gegebenenfalls auch neue Verhaltensweisen. Um unser Verhalten zu verändern, haben wir vier Stellschrauben, an denen wir drehen können und sollten (Fishbein & Ajzen, 1975):

  1. Intention: Was ist Ihr Ziel? Wie möchten Sie handeln?

  2. Einstellung: Wie denken Sie über Ihr Ziel? Wie bewerten Sie Ihr gewünschtes Verhalten?

  3. Werte: Was sind Ihre Werte? Ist Ihr Ziel mit Ihren Werten konform?

  4. Verhaltenskontrolle: Inwiefern haben Sie das Gefühl, dass Ihr Leben das Ergebnis Ihres Handelns ist?


Wie Sie gute Intentionen entwickeln und sich wertkonforme Ziele setzen werde ich in einem separaten Blog-Artikel thematisieren. Daher konzentrieren wir uns hier darauf, wie Sie mit Ihrem Mindset eine gute Basis für Self-Leadership über Einstellungen und wahrgenommene Verhaltenskontrolle schaffen können.


Verantwortungsübernahme: Sie sind da, wo Sie sich hingeführt haben


Oftmals suchen wir die Gründe für missliche Lebenslagen im Außen. Für eine positive Selbstführung ist das absolut kontraproduktiv. Mit Ausnahme von schweren Schicksalsschlägen und Verbrechen, sind Sie selbst die Person, die für Ihr Leben und Ihr Lebensglück verantwortlich sind. Dank Ihrer Entscheidungen und Ihrem Handeln, und übrigens auch dank Ihrer Nicht-Entscheidungen und Ihrem Nicht-Handeln, sind Sie dort, wo Sie sind. Wenn Sie dafür die volle Verantwortung übernehmen und gleichzeitig bereit sind, zu lernen und sich zu entwickeln, ist das eine wunderbare Voraussetzung dafür, sich selbstwirksam in eine neue Phase zu führen.


Selbstwirksamkeit: Sie haben das Zepter in der Hand


Die Selbstwirksamkeitserwartung gilt in der Psychologie als der zentrale Schlüssel für einen positiven Umgang mit Veränderung. Selbstwirksamkeit bedeutet, dass Sie selbst daran glauben, dass Ihre Taten wirkungsvoll sind, dass Sie selbst Ihr Leben lenken können und sie nicht etwa Opfer der Umstände sind. Sie sind die Gestalterin bzw. der Gestalter Ihres Lebens und es ist immer Ihre Entscheidung, wie Sie mit guten und schlechten Dingen, die Sie entscheiden und die Ihnen passieren umgehen. Für Self-Leadership ist es wichtig, dass Sie in eine erwachsene, selbstwirksame Position gehen und das Zepter in Ihrem Leben selbst in die Hand nehmen.


Selbstdialoge: Checken Sie Ihre Gespräche mit sich selbst


Sehr wichtig für Self-Leadership ist es, dass Sie positive Selbstdialoge führen und sich nicht etwa mental blockieren (Neff, 2003; Neck et al., 1999). Negative Glaubenssätze und mentale Selbstsabotage können ein Erfolgskiller sein in Veränderungsprozessen. Auf der anderen Seite sind Optimismus und eine positive Lebenseinstellung sehr hilfreich für einen guten Umgang mit Veränderung. Entwickeln Sie eine Sensitivität dafür, wenn sich ein Anteil in Ihnen (z.B. der Ängstliche oder die Überkritische) Ihrem Vorhaben entgegenstellt und fragen Sie sich, was dieser Anteil in Ihnen benötigt, um sich Ihnen nicht mehr in den Weg zu stellen. Genauso wenig wie Sie ein Opfer der Umstände sind, sind Sie Opfer Ihrer Gedanken und Gefühle. Daher werden Sie zum Gestalter Ihres Innenlebens und führen Sie freundliche, stärkende Dialoge mit sich selbst.


Durchhaltevermögen: Auch mal den „Popo zusammenkneifen“


Gerade für ungeduldige Menschen ist dies eine große Herausforderung: Veränderungen gehen nicht von heute auf morgen und fühlen sich auch nicht immer gut an. Das Gute ist, wenn Sie darauf vorbereitet sind, dass es auch unangenehme Episoden geben kann, fällt es leichter, auch Dürrephasen gut zu überstehen und an Ihrem Plan (z.B. neuer Job, neue Beziehung) festzuhalten. Hilfreich ist hier, wenn man den Veränderungsprozess visualisiert, so dass man das große Ganze im Blick behält. Mit meinen Klientinnen und Klienten erarbeite ich, gerade bei essentiellen Veränderungsprozessen, eine Change Roadmap: hier unterscheiden wir zwischen verschiedenen Phasen des anstehenden Wandels (z.B. Inspirationsphase, Ideenphase, Handlungsphase), definieren Meilensteine und bauen „Oasen“ ein, um sich auf dem Weg zu stärken.


Flexibilität: Immer schön geschmeidig bleiben


Manchmal können wir uns ganz schön mit unseren eigenen Zielen im Weg stehen. Zu konkrete Ziele, die keine Flexibilität erlauben und noch dazu außerhalb unseres Einflussbereichs liegen, sind kontraproduktiv in Veränderungsprozessen. Wenn Sie nach einer privaten Trennung unglücklich sind und ihr primäres Ziel darin liegt, den alten Partner zurückzugewinnen, kann es sein – je nach Hintergrund der Trennung, dass Sie sich selbst nur in umso größeres Unglück hineinführen. Daher gewähren Sie sich besser eine gewisse Flexibilität beim Start in neue Lebensphasen. Für den angeführten Fall könnte es beispielsweise sinnvoller sein, sich flexiblere Ziele zu definieren, z.B. im ersten Schritt wieder in Ihr Gleichgewicht zu finden und im zweiten Schritt in einer erfüllten Partnerschaft zu leben – wer auch immer der Partner sein mag.



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Psychologin M.Sc. & Coach Dr. rer. pol. Jessica Di Bella


Ihr Kontakt: mail@jessicadibella.de 

Mehr Informationen: praxisdibella.de



Literatur


Di Bella, J. (2014). Unternehmerische Resilienz: Protektive Faktoren für unternehmerischen Erfolg in risikoreichen Kontexten. Dissertation, Universität Mannheim. Online.


Fishbein, M., & Ajzen, I. (1975). Belief, Attitude, Intention, and Behavior: An Introduction to Theory and Research. Reading, MA: Addison-Wesley.


Neck, C. P., Neck, H. M., Manz, C. C. & Godwin, J. (1999). “I Think I Can; I Think I Can”: A Self-Leadership Perspective Towards Enhancing Entrepreneur Thought Patterns, Self-Efficacy, and Performance. In: Journal of Managerial Psychology, 14(6), 477-501.


Neff, K. (2003). Self-Compassion: An Alternative Conceptualization of a Healthy Attitude Toward Oneself. In: Self and Identity, 2: 85-101.



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