Trennung und Neubeginn: Der Trennungstanz ist ein Solotanz
- Dr. Jessica Di Bella

- 20. Feb.
- 6 Min. Lesezeit
„Ich ging weiter. Anfangs holprig, dann geschmeidig. Zwei Schritte vor, einer zurück, zwei Schritte vor, einer zurück – das ist der Grundschritt im Trennungstanz.“ Das Ende einer Liebesbeziehung ist für viele Menschen eine schmerzhafte Erfahrung. In diesem Beitrag teile ich Gedanken und Strategien, die Ihnen dabei helfen können, eine Trennung nicht nur gut zu überstehen, sondern dabei auch persönlich daran zu wachsen – und den eigenen Neubeginn bewusst zu gestalten.
In diesem Artikel geht es um die folgenden Themen:
Echte Liebe ist ein kostbares Gut
Ich weiß nicht, wie es Ihnen damit geht, doch für mich ist das Ende einer Liebesbeziehung – selbst dann, wenn ich es initiiert habe – eine zutiefst schmerzhafte Erfahrung. Viele von uns verspüren einen starken Wunsch, eine wahrhaftige Liebe zu leben und in einer Partnerschaft anzukommen. Ich persönlich bevorzuge hier den Ausdruck „dynamisch ankommen“, da er mehr Freiheit und Raum für Entwicklung bietet.
Ehrliche, echte Liebe ist ein kostbares Gut. Der fernöstliche Philosoph Osho sagt dazu: „Es besteht ein großer Unterschied zwischen Mögen und Lieben. Mögen beinhaltet keinerlei Verpflichtung, kein Engagement. Mögen ist oberflächlich und unverbindlich. Liebe hingegen ist ein Versprechen, ein Einlassen, ein Risiko, eine Verantwortung. Liebe durchdringt alles und geht bis in den Kern des anderen. Sie berührt den anderen in der Seele.“
Viele Menschen befinden sich in einer Paarbeziehung. Bei genauerem Hinsehen jedoch handelt es sich bei einigen um Verbindungen, die einen oder beide Partner nicht erfüllen oder sogar unglücklich machen. Wer fällt Ihnen dabei ein? Sicherlich das ein oder andere Paar. Je nach Optimismus und Frustrationstoleranz der Beteiligten tauchen in derartigen Beziehungen früher oder später Trennungsphantasien auf. Kein Wunder, denn so lange wir in „Mögensbeziehungen“ verharren, sind wir nicht frei für echte Liebesbeziehungen.
Was ist Trennungskompetenz?
„Wenn also Liebe da ist“, so Osho, „dann bleib dabei. Gib ihr eine Chance zu wachsen. Ist sie aber nicht da, dann wechsle lieber, bevor du süchtig wirst nach einer Beziehung in der keine Liebe ist.“ Das hört sich sehr weise an. Aber was, wenn Sie bereits „süchtig“ nach diesem Menschen in deinem Leben sind? Was, wenn Ihnen dieses „wechsle lieber“ in der Praxis nicht so leicht fällt, wie es sich auf dem Papier liest? Dann ist das eine gute Gelegenheit an Ihrer Trennungskompetenz zu arbeiten.
Wenn ich von Ihrer Trennungskompetenz spreche, meine ich damit nicht Oberflächlichkeit, Verdrängung oder emotionale Kälte. Ja, es gibt Menschen, die stecken das Ende einer Beziehung scheinbar leichter weg als andere. Sie lenken sich mal hier und mal dort ab und schwupp tauchen sie auch schon mit dem nächsten Partner oder der nächsten Partnerin auf der Bildfläche auf – mit dem oder der sie dann oftmals alle alten Muster quasi unverändert wieder durchleben.
Für mich ist Trennungskompetenz etwas anderes: Ich sehe darin Ihre Fähigkeit, sich selbst aus einer unguten Verbindung zu befreien, die Trennung gedanklich und emotional zu verarbeiten, von der Beziehungserfahrung zu lernen und den Weg in Richtung Neubeginn anmutig und Ihrem Temperament entsprechend zu gehen. Eine wichtige Grundvoraussetzung dafür ist es, dass Sie sich auf sich selbst besinnen und ein „Selbstverständnis“, im Sinne eines Verständnisses für sich selbst, für Ihre Bedürfnisse und für das was in Ihnen passiert, zu entwickeln.

Der Trennungstanz als Solotanz
Nun komme ich zu einem kritischen Punkt, der vielen meiner Klientinnen und Klienten zunächst schwerfällt: Wenn es Ihnen mit dem Neubeginn wirklich ernst ist, ist es notwendig, sich – zumindest in den ersten Monaten – im Außen konsequent von Ihrer ehemaligen Partnerin bzw. Ihrem ehemaligen Partner zu distanzieren, und zwar auf allen Kanälen. Die Gefahr, den anderen erneut in die eigenen emotionalen Höhen und Tiefen einzubeziehen und damit die mühsam aufgebaute Distanz wieder zu unterlaufen, ist schlicht zu groß.
Der Trennungstanz ist ein Solotanz! Ich weiß, dass das nicht immer einfach ist zu akzeptieren – und im Falle von gemeinsamen Kindern nicht einfach umzusetzen. Hier gilt es klare Regeln und Routinen zu entwickeln, um die Kommunikation möglichst sachlich und friedlich zu gestalten und Raum für emotionale Distanzierung zu schaffen.
Die Distanz im Außen ist eine Sache. Sich im Inneren distanzieren eine oftmals langwierigere Angelegenheit. Hier hilft ein hoffnungsvolles Mindset und Vertrauen in Ihr Leben. Als es mir in meiner Trennungsphase schwerfiel loszulassen, es also zu akzeptieren, dass dieser Mensch nicht mehr Teil meines Lebens sein würde, dann beamte ich mich ins Vertrauen: „Wenn es echt war“, sagte ich mir in diesen Momenten, „dann wird es echt sein. Nichts geht auf Dauer, was wirklich zu mir gehört.“
Dieser Glaubenssatz, den ich mir in schmerzvollen Momenten selbst sagte, erweckte in mir innere Ruhe und Urvertrauen und erlaubte mir, mich dem Hier und Jetzt voll zu widmen: Beruf, Weiterbildung, neue Bekanntschaften schließen, den Freundeskreis auszubauen, die Stadt, das Umland und die Welt zu entdecken.
Ich ging weiter. Anfangs holprig, dann geschmeidig. Zwei Schritte vor, einer zurück, zwei Schritte vor, einer zurück – das ist der Grundschritt im Trennungstanz.
Trennungsphasen bringen die ganze Klaviatur an Gefühlen aufs Parkett: Trauer, Enttäuschung, Schmerz, Wut, Verlangen, Neugierde, Freude, Liebe, Freiheit, Dankbarkeit, Leichtigkeit – und das alles im Shuffle-Modus und anfangs mit Betonung auf das erste Drittel. So sehr man sich auch ablenkt, diese Gefühle lassen sich langfristig nicht wegdrücken!
Für viele meiner Klientinnen und Klienten verändert sich viel, wenn sie nicht mehr ausschließlich versuchen, die Emotionen mit vielfältigen Ablenkungsmanövern zu vermeiden oder ihnen mit ihrem Verstand zu begegnen (à la „Es war die richtige Entscheidung, weil a)..., b)..., c)...!“). Es kann sehr heilsam sein, die Intensität der Gefühle voll zuzulassen, sie zu spüren und – das ist wichtig – sie dann auch körperlich auszudrücken.
Emotional Embodiment – Ihr Körper als Heilmittel
Der beste Ausdruck meiner Emotionen ist für mich das Tanzen. Während der damaligen Trennung begann ich, jeden Tag zu tanzen. Mal tanzte ich zehn Minuten, mal eine Stunde. Mal tanzte ich zu Elektro, mal zu Liebesliedern. Immer wenn ich merkte, dass mich die Gedankenschleife einzuholen oder die Gefühlswelle zu überrollen drohte, raffte ich mich auf und drückte im Tanz genau diese Gedanken und Gefühlen aus.
Tanzen ist für mich nach wie vor das Heilsamste aller Mittel in turbulenten Zeiten. Heute tanze ich nicht nur zu Hause, sondern gehe auch regelmäßig auf Ecstatic Dance- oder Five Rhythms-Veranstaltungen – für mich nicht nur Bewegung, sondern auch Psychohygiene. Insgesamt ist körperliche Aktivität gerade in Trennungsphasen ein absolutes Muss. Schwimmen, Laufen, Yoga, oder andere Sportarten Ihrer Wahl, sind eine gute Idee in allen Lebensphasen.
Aber nichts spiegelt so sehr wider, wie es Ihnen wirklich geht und wie es wirklich in Ihnen aussieht, wie Ihr eigener Tanz. Daher möchte ich Sie ermutigen, Ihre Gefühle (und deren Volatilität) wahrzunehmen, sie zuzulassen und sie auch im Tanz Gestalt annehmen zu lassen.
Der Weg zurück zu innerer Stärke und Balance
Die Kunst, mit Temperament und Lebendigkeit durch eine Trennung zu gehen liegt alle Gefühle zu fühlen und sie auch wieder gehen zu lassen. Es ist in Ordnung, zu weinen, und es ist ok, sich kurze Zeit später im Gespräch mit einem Freund oder einer Freundin den Bauch zu halten vor Lachen. Auch wenn es sich zunächst kontraintuitiv anhören mag, den raschen Wechsel von Gefühlen zuzulassen und zu begünstigen, ist der Weg zurück zu innerem Frieden und Balance.
Daher möchte ich Sie auf der einen Seite dazu ermutigen, Ihren schmerzhaften Emotionen Platz zu lassen, sonst spalten Sie sie ab und sie fliegen Ihnen später um die Ohren – oder manifestieren sich körperlich. Auf der anderen Seite möchte ich Sie motivieren, auch bewusst positive Emotionen zu spüren. Das ist Balsam für die Seele – und unsere Seele braucht in einer Trennungsphase ein wenig Extra-Ermunterung.
Erlauben Sie sich, selbst in Phasen akuter Trauer Momente des Glücks zu erleben. Schaffen Sie sich mehr und mehr Raum für schöne Gefühle. Machen Sie sich eine Liste mit Dingen, die tiefe Freude in Ihnen hervorrufen (z.B. Gespräche mit Freunden, Wandern in der Natur, Ihr Morgenritual) und dann verordnen Sie sich am besten selbst täglich eine gehörige Portion Lebensfreude. An manchen Tagen wird Ihnen das leichter fallen, an anderen weniger, aber ich halte es für enorm wichtig, in Trennungsphasen die „Micro-Freuden“ des Alltags proaktiv zu provozieren und zu zelebrieren.
Spüren Sie den Schmerz, aber tauchen Sie ebenso tief in die guten Gefühle ein und gestalten Sie den Übergang von schmerzhaften zu freudvollen Emotionen so „smooth“ wie möglich. Wenn Sie diese Lebendigkeit in sich wirklich leben, dann ist das die perfekte Basis für einen Neubeginn.
Seit vielen Jahren begleite ich Menschen durch private und berufliche Veränderungsprozesse. Dazu gehören auch Trennungen und Scheidungen – mit oder ohne Kindern.
Ich helfe meinen Klientinnen und Klienten dabei, resilient durch Trennungsphasen zu gehen, den Neubeginn proaktiv zu gestalten und – falls nötig – eine friedvolle und konstruktive Regelung und Kommunikation mit dem Ex-Parter bzw. der Ex-Partnerin aufzubauen. Bei involvierten Kindern habe ich die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder stets im Blick.
Sie wünschen sich selbst psychologische Begleitung bei der Gestaltung von Trennung und Neubeginn?
Ich unterstütze Sie gerne.
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Psychologin M.Sc. & Coach
Dr. rer. pol. Jessica Di Bella
Ihr Kontakt: mail@jessicadibella.de
Mehr Informationen: praxisdibella.de

