Trennung und Neubeginn: Der Trennungstanz ist ein Solotanz!

Aktualisiert: Juni 10

Vor einem halben Jahr habe ich mich in einer Situation wiedergefunden, von der ich mir erhofft hatte, sie nicht nochmals in meinem Leben erleben zu müssen: das Ende einer Liebesbeziehung. Durch die Wochen und Monate nach dem Aus bin ich sehr bewusst gegangen, „schließlich bin ich ja Coach und müsste wissen, wie das geht, mit dem Neubeginn“, sagte ich mir. Nun ja, mein Neubeginn war letztendlich ein (etwas zu stark geratener) Cocktail aus Volatilität, Vulnerabilität und hochprozentigem Aktionismus. Ich würde daher nicht behaupten, dass es ein Vorzeigeneustart war, aber ich fühle mich heute stärker und glücklicher als in der Zeit vor der Beziehung. Daher teile ich in diesem Blogbeitrag mit dir hilfreiche Gedanken und Strategien, die dir helfen können, resilient und wirklich lebendig durch eine Trennung zu gehen.


Ich weiß nicht, wie es dir damit geht, aber für mich ist das Ende einer Liebesbeziehung, auch wenn es von mir initiiert wurde, die Hölle! Nicht zuletzt deswegen habe ich vermutlich diesen starken Wunsch, endlich eine wahrhaftige Liebe zu leben und endlich in einer Partnerschaft „dynamisch anzukommen“. (So nenne ich es gerne, da mich das Wort „ankommen“ aufgrund seiner Statik etwas abschreckt.) Aber das mit der echten und ehrlichen Liebe ist offensichtlich nicht ganz so einfach, oder, um es in den Worten von Osho auszudrücken: „Es besteht ein großer Unterschied zwischen Mögen und Lieben. Mögen beinhaltet keinerlei Verpflichtung, kein Engagement. Mögen ist oberflächlich und unverbindlich. Liebe hingegen ist ein Versprechen, ein Einlassen, ein Risiko, eine Verantwortung. Liebe durchdringt alles und geht bis in den Kern des anderen. Sie berührt den anderen in der Seele.“


Trennung als Kompetenz


In meinem privaten und beruflichen Umfeld befinden sich sehr viele Menschen in einer Liebesbeziehung (oder vielleicht eher in einer „Mögensbeziehung“), die einen oder beide Partner nicht erfüllt oder gar unglücklich macht. Je nach Optimismus und Frustrationstoleranz der Beteiligten tauchen in derartigen Verbindungen früher oder später Trennungsphantasien auf. „Wenn also Liebe da ist“, so Osho, „dann bleib dabei. Gib ihr eine Chance zu wachsen. Ist sie aber nicht da, dann wechsle lieber, bevor du süchtig wirst nach einer Beziehung in der keine Liebe ist.“ Das hört sich sehr weise an. Aber was, wenn du bereits „süchtig“ nach diesem Menschen in deinem Leben bist? Was, wenn dir dieses „wechsle lieber“ in der Praxis nicht so leicht fällt, wie es sich auf dem Papier liest? Dann ist das eine wunderbare Gelegenheit an deiner Trennungskompetenz zu arbeiten.


Wenn ich von deiner Trennungskompetenz spreche, meine ich damit nicht Oberflächlichkeit, Verdrängung oder emotionale Kälte. Es gibt Menschen, die stecken das Ende einer Beziehung lockerflockig weg: die lenken sich mal hier und mal dort ab und schwupp tauchen sie auch schon mit dem nächsten Partner auf der Bildfläche auf (mit dem sie natürlich alle alten Muster quasi unverändert wieder durchleben). Es gibt Menschen, die tauschen Liebesbeziehungen aus, als würde es sich um leere Kaffeekapseln handeln. Um ehrlich zu sein, ist mir das völlig suspekt. Für mich ist Trennungskompetenz etwas anderes. Ich sehe ich darin deine Fähigkeit, dich selbst aus einer unguten Verbindung zu befreien, die Trennung gedanklich und emotional zu verarbeiten, von der Beziehungserfahrung zu lernen und den Weg in Richtung Neubeginn temperamentvoll und anmutig zu gehen. Eine wichtige Grundvoraussetzung dafür ist es, dich auf dich selbst zu besinnen und ein Selbstverständnis, im Sinne eines Verständnisses für dich selbst und für das was in dir passiert, zu entwickeln.


Der Trennungstanz ist ein Solotanz


Wenn es dir wirklich ernst ist mit dem Neubeginn, ist es notwendig, dich (zumindest in den ersten Monaten) im Außen von deinem Ex-Partner zu distanzieren – auf allen Kanälen. Die Gefahr, den Anderen in die eigenen emotionalen Höhen und Tiefen einzubeziehen, ja sie vielleicht für ihn oder sie auszuagieren, ist einfach zu groß. Der Trennungstanz ist ein Solotanz! Ich weiß, dass das nicht immer einfach ist zu akzeptieren. Ich kenne die (Ego-)Spielchen, die man so spielt; persönlich, von Freunden, von Klienten. Wenn es mir in dieser Zeit schwerfiel loszulassen, es also hinzunehmen, dass ich diesen Menschen nie mehr an meiner Seite haben würde, mit ihm nie mehr mein Leben teilen würde, dann beamte ich mich ins Vertrauen: „Wenn es echt war“, sagte ich mir in diesen Momenten, „dann wird es echt sein. Nichts geht auf Dauer, was wirklich zu mir gehört. Irgendwie hat mich das beruhigt und mir erlaubt, mich dem Hier und Jetzt voll zu widmen: Professur, Coaching und Studium voranzutreiben, neue Bekanntschaften zu schließen, meinen Freundeskreis in Berlin auszubauen, die Stadt, das Umland und (vor Corona) die Welt zu entdecken... Es lief weiter. Anfangs holprig, mittlerweile geschmeidig. Zwei Schritte vor, einer zurück, zwei Schritte vor, einer zurück – das ist der Grundschritt im Trennungstanz.


Die ersten Schritte im Trennungstanz: Tel Aviv im November 2019

Trennungsphasen bringen die ganze Klaviatur an Gefühlen aufs Parkett: Trauer, Enttäuschung, Schmerz, Wut, Verlangen, Neugierde, Freude, Liebe, Freiheit, Dankbarkeit, Leichtigkeit – und das alles im Shuffle-Modus und anfangs mit Betonung auf das erste Drittel. So sehr man sich auch ablenkt, diese Gefühle lassen sich langfristig nicht wegdrücken! Für mich hat sich sehr viel verändert, als ich nicht mehr versuchte, die Emotionen mit vielfältigen Ablenkungsmanövern zu vermeiden oder ihnen mit meinem Verstand zu begegnen (à la „Es war die richtige Entscheidung, weil a)..., b)..., c)...!“). Es wurde besser, als ich deren Intensität voll zuließ, sie spürte und vor allem körperlich ausdrückte. Irgendwann begann ich, jeden Tag zu tanzen. Mal tanzte ich zehn Minuten, mal eine Stunde. Mal tanzte ich zu Elektro, mal zu Liebesliedern. Mal tanzte ich im schönen Kleid, mal nackt. Immer wenn ich merkte, dass mich die Gedankenschleife einzuholen oder die Gefühlswelle zu überrollen drohte, raffte ich mich auf und tanzte genau nach diesem Gedanken oder Gefühlen, die in mir waren. Das war das Heilsamste aller Mittel!


Dein Körper als Heilmittel


Insgesamt ist körperliche Bewegung gerade in einer Trennungsphase ein absolutes Muss, mehr noch als sonst. Ich persönlich schwimme mehrmals wöchentlich und substituiere das aktuell mit täglichem Laufen. Auch Yoga ist eine gute Idee in allen Lebensphasen. Aber nichts spiegelt so sehr wider, wie es dir wirklich geht und wie es wirklich in dir aussieht, wie dein eigener Tanz. Daher möchte ich dich ermutigen, (1) alle Gefühle (und deren Volatilität) wahrzunehmen, (2) sie zuzulassen und (3) sie im Tanz Gestalt annehmen zu lassen. Die Kunst, mit Temperament und Lebendigkeit durch eine Trennung zu gehen liegt meiner Ansicht nach darin, alle Gefühle zu fühlen und sie auch schnell wieder gehen zu lassen. Es ist ok, zu weinen, und es ist ok, sich kurze Zeit später im Gespräch mit einem Freund (oder beim Check der neuesten TikTok-Videos) den Bauch zu halten vor Lachen. Auch wenn es sich zunächst kontraintuitiv anhören mag, den raschen Wechsel von Gefühlen zuzulassen und zu begünstigen, ist der Weg zurück zu innerem Frieden und Balance.


Daher möchte ich dich dazu ermutigen, deinen schmerzhaften Emotionen Platz zu lassen, sonst spaltest du sie ab und sie fliegen dir später um die Ohren (oder manifestieren sich körperlich). Und auf der anderen Seite motiviere auch deine positiven Emotionen immer wieder, denn sie brauchen in einer Trennungsphase ein wenig mehr Ermunterung. Zeige ihnen, dass sie selbst bei akuter Trauer auftauchen dürfen und sogar höchst willkommen sind. Schaffe dir viel Raum für schöne Gefühle! Mache dir eine Liste mit Dingen, die tiefe Freude in dir hervorrufen (z.B. Gespräche mit Freunden, Wandern in der Natur, dein Morgenritual) und dann verordne dir täglich eine gehörige Portion Lebensfreude. An manchen Tagen wird dir das leichter fallen, sie zu spüren, an anderen weniger, aber ich halte es für enorm wichtig, die „Micro-Freuden“ des Alltags proaktiv zu provozieren und zu zelebrieren.


Erlaube es dir, ja überwinde dich vielleicht sogar, in schwierigen Zeiten, das ganze Spektrum an Gefühlen, die negative und die positive Seite, zu fühlen und auszudrücken. Tauche tief in die guten Gefühle ein und gestalte den Übergang von schmerzhaften zu freudvollen Emotionen so „smooth“ wie möglich. Wenn du diese Lebendigkeit in dir wirklich lebst, dann ist das die perfekte Basis für einen Neubeginn – aber darüber schreibe ich in einem anderen Blogbeitrag mehr. In der Zwischenzeit freue ich mich, von dir auf Instagram und LinkedIn zu hören. Was sind deine Themen und Fragen rund um Trennungen und Neustarts?


Wenn du mehr zum Thema innere Stärke und Lebensfreude nach Krisen lesen möchtest, kann ich dir die folgende Lektüre empfehlen:

1. Self-Leadership-Mindset: Wie du in dir eine gute Basis für Veränderungen schaffst

2. Das Resilienz-Rad: Ein Tool, mit dem du dich gut durch Krisen navigierst

3. Adiós, innerer Schweinehund! Innere Barrieren dynamisch überwinden


Viel Temperament und Lebensfreude in allen Lebenslagen wünsche ich dir!

Jessica



Bei dir stehen größere Veränderungen im Privaten oder Beruflichen an? In meinem Coaching unterstütze dich dabei, eine (neue) Vision für dein Leben zu entwickeln, dir deiner Stärken und Ressourcen bewusst zu werden und ins zielgerichtete Tun zu kommen.

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© 2020 Prof. Dr. Jessica Di Bella