Wie Sie Ihre Passion finden – und leben: In 4 Schritten zu Ihrer Berufung
- Dr. Jessica Di Bella

- 5. Juli 2025
- 6 Min. Lesezeit
„Ihr Purpose“, „Ihr Warum“ oder „Ihr Ding“ – die eigene Passion steht am Anfang und Ende Ihrer persönlichen Entwicklung. Sie ist ein Spiegel Ihres Lebenssinns und ein Motor Ihrer Lebensfreude. Es lohnt sich daher, sich auf die Suche nach dem zu machen, was Sie voll erfüllt und es lohnt sich, die von Ihnen eingeschlagenen Wege im Beruflichen und Privaten ab und an dahingehend zu überprüfen, ob sie Ihrem Warum noch dienen.
Die 4 Schritte auf dem Weg zu Ihrer Berufung sind:
Die Suche nach der eigenen Berufung ist ein kreativer Prozess, der Wochen, Monate oder gar Jahre in Anspruch nehmen kann. Ja, es gibt Menschen, die schon als Kind ganz genau wissen, was sie später einmal werden möchten, und die ihr ganzes Leben daraufhin ausrichten, dieses Ziel auch zu erreichen – doch diese Menschen sind die Ausnahme.
In meiner Praxis begegne ich deutlich mehr Menschen, die möglicherweise im Außen einen ansehnlichen Beruf und ein ausgefülltes Privatleben haben, aber im Innen damit nicht glücklich sind. Sei es, weil ihnen die Sinnhaftigkeit ihres Tuns fehlt. Sei es, weil sie sich in ihrem Umfeld nicht 100% wohl fühlen oder sie das Gefühl haben, sich persönlich in ihren Beziehungen nicht weiterentwickeln zu können.
Wenn Sie Ihre eigene Berufung nicht leben, kann es sich so anfühlen, als würden Sie mit angezogener Bremse und ohne konkretes Ziel fahren. Irgendwas stimmt nicht, irgendwo stockt es und irgendwie wissen Sie auch nicht so ganz, wo es eigentlich hingehen soll.
Zunächst möchte ich Ihnen drei einfache Fragen stellen. Beantworten Sie diese möglichst spontan:
Sinn: Kennen und lieben Sie Ihre Passion?
Authentizität: Können Sie in Ihrem Leben zu >90% Sie selbst sein?
Lebensfreude: Erfüllt Sie der Weg, den Sie eingeschlagen haben?
Wenn Sie nicht alle dieser Fragen mit einem klaren „Ja“ beantworten konnten, könnte es spannend für Sie sein, weiterzulesen.
Schritt 1: Zeitreise
Zunächst begeben wir uns in die Vergangenheit und räumen Barrieren beiseite, die Sie davon abhalten könnten, Ihre Passion zu finden. Dazu machen wir einen Mini-Ausflug in Ihre Kindheit. Warum? Ihre Erziehung und Erfahrungen in Kindheit und Jugend prägen Sie nachhaltig:
Welche Vorbilder hatten Sie? Eltern leben Berufsbilder vor, die auf Kinder, gerade in den ersten zehn Jahren ihrer Entwicklung, eine gewisse Vorbildfunktion ausübt.
Wie haben Ihre Bezugspersonen andere bewertet? Eltern haben Einstellungen zu bestimmten Lebensentwürfen, die sie als „angenehm“ und „unangenehm“ bewerten. Diese Valenz beeinflusst die Einstellungen von Kindern.
In welchem Kontext sind Sie aufgewachsen? Kinder kommen gerade in den ersten Jahren automatisch nur mit einem gewissen Spektrum an beruflichen Möglichkeiten in Kontakt, und zwar zumeist mit dem, das im engeren Umfeld gelebt wird.
Worin wurden Sie gefördert? Stärken und Potenziale werden von Eltern und Kind selbst primär vor eigenen Horizont bewertet. Spezifische, „exotische“ Potenziale können dadurch unerkannt bleiben.
Welche Vorstellungen hatten Ihre Eltern von Ihrer Zukunft? Eltern haben oft eigene Erwartungen, was die Zukunft ihrer Kinder betrifft („Natürlich wirst du unseren Betrieb übernehmen!“).
Welche genetischen Merkmale teilen Sie mit Ihren Eltern? Eltern geben ihre Gene an ihre Kinder weiter. Merkmale wie Intelligenz, Extraversion und Aktivitätsniveau sind zu über 50% erblich (Knopik et al., 2017). Diese Faktoren beeinflussen, wie sich Menschen entwickeln.
Je näher Ihre originären Neigungen bei denen Ihres Elternhauses liegen, desto positiver dürfte sich der Einfluss Ihrer Eltern auf Ihre Entwicklung ausgeübt haben. In jedem Fall ist es für Sie als erwachsener Mensch lohnenswert, den Effekt dieser sechs Einflussfaktoren auf Sie zu reflektieren. Wenn Sie sich ein klares Bild von Ihrer Vergangenheit gemacht haben und für sich herausgefunden haben, was wirklich Sie sind (vs. was die Erwartungen von anderen sind/waren), dann haben Sie den Weg frei geräumt für den nächsten Schritt – und der besteht darin, zunächst einmal alles zu vergessen.

Schritt 2: Amnesie
Im Erwachsenenalter häufen sich innere und äußere Hindernisse an, die den Blick auf das Wesentliche verwehren können. Äußere Blockaden, die es Ihnen schwer machen, die eigene Passion zu finden oder zu leben, können Erwartungen von nahestehenden Personen, z.B. Lebenspartnern, oder auch finanzielle oder zeitliche Verpflichtungen sein.
Vielleicht haben Sie einen statusbewussten Partner, der sich eher nicht damit wohlfühlen würde, wenn Sie die Richterbank mit der Schulbank tauschen? Vielleicht sind Kredite oder Unterhaltsverpflichtungen zu zahlen, die sich mit dem Gärtner- statt dem Gutachterberuf weniger gut vereinbaren ließen?
Das sind valide Punkte, die es zu bedenken gilt, allerdings erst an sehr viel späterer Stelle. Wenn Sie sich schon während der Suche nach Ihrer Passion Gedanken machen, WIE Sie Verpflichtungen nachkommen können, kommen Sie erst gar nicht in den kreativen Fluss. Konzentrieren Sie sich daher zunächst vollkommen auf das WAS: Seien Sie eine große weiße Leinwand! Eine Leinwand mit solidem Fundament. Und diese Leinwand bemalen wir nun mit Ihren ganz persönlichen Farben.
Schritt 3: Kreation
Die Farben unserer Psyche lassen sich in drei Farbspektren aufteilen. Die Psychologie ist die Lehre vom Denken, Fühlen und Verhalten des Menschen. Wenn wir also ein kohärentes, stimmiges Leben führen wollen, ist es wichtig, diese drei Aspekte miteinander in Einklang zu bringen.
In der Folge gebe ich Ihnen daher ausgewählte Fragen für die Selbstreflexion, die ich auch im Coaching mit meinen Klientinnen und Klienten verwende. Diese Reflexionsfragen sind nur ein Anfang, können Ihnen aber wertvolle Hinweise liefern, wo Ihr authentischer Weg hinführt.
Denken
Was sind Ihre Lieblingsgedanken?
Bei welchen Themen verspüren Sie unbändige Neugierde?
Für welche Themen stehen Sie? Für was möchten Sie stehen?
Was sind Ihre wichtigsten Werte?
Wer inspiriert Sie und warum?
Fühlen
Welche Gefühle machen Sie aus?
Welche Gefühle möchten Sie mehr spüren?
Welche positiven Gefühle lösen Sie bei anderen aus?
Bei wem spüren Sie Bewunderung oder Neid?
Wo fühlen Sie sich am wohlsten?
Verhalten
Was können Sie wirklich gut? Was möchten Sie können?
Welche drei Verhaltensweisen sind typisch für Sie?
Was sagen andere Menschen über Sie, was Sie wirklich gut können?
Wo inspirieren Sie andere?
Welche Aktivitäten machen Sie glücklich?
Jetzt gilt es auf Basis der Nuancen, konkrete Bilder auf Ihrer Leinwand zu entwerfen. Das passiert über ein Brainstorming darüber, in welcher Form Sie Ihre Interessen, Neigungen und Potenziale im Leben umsetzen können (z.B. neuer Job, neue Branche, Gründung eines eigenen Business oder eines Vereins, Ehrenamt, Zweitstudium). Generieren Sie möglichst konkrete und möglichst viele Ideen.
Diese Ideen bewerten Sie dann mit Punkten: Je mehr sie innerlich mit Ihnen räsoniert, desto mehr Punkte bekommt eine Option. Achten Sie auch hier darauf, dass Sie sehr schnell, also aus dem Bauch heraus, entscheiden. Nachdem du alle Möglichkeiten bewertet habeb, wählen Sie Ihre Lieblingsidee aus. Erst jetzt kommt die Machbarkeit ins Spiel. Erst jetzt macht es Sinn, dass Sie – wiederum kreativ – darüber nachdenken, WIE und wann Sie Ihre Passion in die Tat umsetzen. Viele Menschen kommen ansonsten erst gar nicht auf bestimmte Ideen oder schließen Optionen zu früh aus.
Schritt 4: Aktion
Jetzt geht es daran, zu testen, zu planen und umzusetzen. Angenommen, Sie haben herausgefunden, dass Ihr Ding ist, Sporttherapeut zu werden. Dann gilt es zunächst zu analysieren, was Sie dafür schon mitbringen, was Sie dafür noch brauchen und wie Sie sich das zueigen machen. Hierfür empfehle ich Ihnen eine Roadmap, also eine Art Projektplan, auf dem Sie die verschiedenen Schritte und Meilensteine in eine chronologische Zeitfolge bringen. Eine solche Roadmap erarbeite ich auch mit meinen Klientinnen und Klienten und mache damit sehr gute Erfahrungen in Bezug auf die Umsetzungswahrscheinlichkeit.
Dann geht es darum, zu Testen: Sie möchten möglichst realitätsnah herausfinden, wie sich Ihr künftiges Leben anfühlen wird. Diese Phase ist besonders wichtig, wenn Sie mit Ihrer Passion noch nicht ganz sicher sind und verschiedene Optionen ausprobieren möchten. Testen kann bedeuten, dass Sie Seminare oder Kurse besuchen, ein Praktikum machen oder ein Ehrenamt im Zielumfeld antreten.
Testen bietet Ihnen tolle Möglichkeiten, Menschen in Ihrem potenziell neuen Umfeld kennenzulernen. Es erlaubt Ihnen, zu experimentieren, sich in diesem Feld auszuprobieren und niedrigschwellig in Ihr neues, passioniertes Leben zu starten.
Abschließend ist zu sagen, dass Sie kein statisches Wesen sind: Sie machen Erfahrungen im Laufe Ihres Lebens, Ihre Werte, Einstellungen, Interessen und Rahmenbedingungen verändern sich. Dinge, die früher sehr viel Sinn für Sie gemacht haben, tun dies in einer neuen Lebensphase vielleicht nicht mehr. Erlauben Sie sich daher, sich neu zu erkunden und ggf. sich auch neu zu erfinden – egal in welchem Alter.
Ich wünsche ich dir eine spannende und kreative Suche nach deiner Passion – und viel Freude und Erfüllung dabei, wenn du sie lebst!
Sie wünschen sich psychologische Begleitung bei der Suche nach Ihrer Passion?
Ich unterstütze Sie gerne.
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Psychologin M.Sc. & Coach
Dr. rer. pol. Jessica Di Bella
Ihr Kontakt: mail@jessicadibella.de
Mehr Informationen: praxisdibella.de
Literatur
Bock, P. (2005). Die Kunst seine Berufung zu finden. Fischer.
Knopik, V. S., Neiderhiser, J. M., Defries, J. C., & Plomin, R. (2017). Behavioral Genetics (7th Edition)., Worth Publishers.


