Hinter den Kulissen eines multidimensionalen Lebens: 4 Multitasking-Lifehacks
- Dr. Jessica Di Bella

- 22. Feb. 2020
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Feb.
Selbständigkeit, Professur, Studium. Mit 38 nochmals zu studieren ist der größte Luxus, den ich mir bis dato gegönnt habe. Wie sich mein „neues Leben“ anfühlt, wie ich den Überblick über meine vielfältigen Aktivitäten bewahre und was ich tue, damit mich meine verschiedenen Rollen und die damit einhergehenden Verpflichtungen nicht stressen, erzähle ich Ihnen hier.
Im September 2019 erhielt ich die Nachricht, dass ich als Professorin für Innovation und Change berufen werden würde. Nur wenige Tage später erfuhr ich dann, dass meine Bewerbung für ein Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin erfolgreich war. Ich hatte mich im Frühsommer beworben, weil es ein großer Lebenstraum von mir war. Aber tatsächlich damit gerechnet, dass ich einen Studienplatz bekommen würde. Doch der Zulassungsbescheid war eindeutig: ich wurde als eine von vier Personen zum Zweitstudium zugelassen.
Unser Gehirn liebt Abwechslung
Ich war begeistert! Mein privates Umfeld eher weniger: „Dann bist du also Bachelor-Studentin? Ok...“ „Warum tust du dir das an?“ „Mutest du dir da nicht zu viel zu?“ Die Reaktionen waren zurückhaltend und auch ich selbst hatte meine Zweifel. Weniger, ob ich die verschiedenen Rollen und die damit einhergehenden Verpflichtungen unter einen Hut bekommen würde, sondern eher ob mein Gehirn noch fähig sein würde, so viel neues Wissen (auswendig) zu lernen.
Passenderweise hatte ich gleich im ersten Semester drei Vorlesungen, die sich mit dem Gehirn und der Gedächtnisbildung beschäftigten:
1) Biologische Psychologie,
2) Allgemeine Psychologie und Denken und
3) Lernen und Gedächtnis.
Dort durfte ich in Theorie lernen und in der Praxis erfahren, dass unser Gehirn dank der neuronalen Plastizität wirklich ein Leben lang fähig ist, neue Nervenzellen (Neurogenese) zu bilden und neue synaptische Verbindungen und Netzwerke zu schaffen. Hinzu kommt, dass unser Gehirn Abwechslung liebt: Forscher haben herausgefunden, dass das Gehirn sehr viel mehr neuronale Verbindungen schafft und sehr viel leistungsfähiger ist, wenn man ein abwechslungsreiches, vielseitiges Leben lebt.
Meine 4 Multitasking-Lifehacks
Lifehack 1: Planen Sie mit Puffern
Meine Vorlesungen halte ich an fixen Termine an einem fixen Ort in Charlottenburg. Mein Studium findet in Adlershof statt und wer nicht ortskundig ist: es geht in Berlin kaum südöstlicher als Adlershof. Ich brauche 70 Minuten von meinem Arbeitsort zu meinem Studienort und umgekehrt. Wohnen tue ich in Mitte, was jeweils auch 30 bzw. 50 Minuten von der Hochschule und Uni entfernt liegt. Es ist klar, dass in einem solchen Szenario Puffer eingeplant werden müssen und auch ein Plan B vorhanden sein muss, wenn beispielsweise die S-Bahnen ausfallen.
Lifehack 2: Üben Sie sich in kreativer Effizienz
Eng mit der Planung verbunden ist die effiziente Nutzung von Zeit. Ich versuche kreativ zu sein in dem, wann, wie und wo ich Aufgaben erledige. Beispielsweise habe ich mir Audioaufnahmen von meinem Lernstoff gemacht, um diese in der S-Bahn oder während meiner Wanderungen in der Natur zu hören. Dann habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, vor bzw. zwischen den Vorlesungen, die ich an der HU besuche, meine Emails, die ich in meinen Rollen als Coach oder Professorin erhalte, zu beantworten. Insgesamt spare ich auch viel Zeit, indem ich Menschen anrufe oder ihnen Voicemails schicke, um Dinge zu besprechen, anstatt zu tippen. Und dann bin ich ein großer Fan von kreativen Arbeitsorten. Gerade in Phasen, in denen ich auch an Wochenenden arbeiten oder lernen muss, verlege ich meinen Arbeitsplatz an schöne Orte, die sich nicht nach Arbeit anfühlen. Das gibt mir ein Gefühl von Freiheit, Freizeit und Entspannung, obwohl ich produktiv bin.
Lifehack 3: Erlauben Sie sich dynamisch zu priorisieren
Wenn es eine magische Formel in meinem Leben gibt, dann ist es die Art und Weise, wie ich priorisiere. Eine ambitionierte Planung ist wichtig und gut, aber nicht immer in die Realität umsetzbar: es kommen ungeplante Ereignisse dazwischen, die BVG streikt oder man fühlt sich nicht so gut. Aus diesem Grund habe ich 1) eine generelle Prioritätenhierarchie für meine Tätigkeiten aufgestellt, die ich 2) je nach täglichen Umständen dynamisch anpasse. Für mich haben beispielsweise meine Coaching-Klienten sowie meine Studierenden Priorität 1. Das Studium steht an zweiter Stelle und die Therapieausbildung auf Platz 3. Allem übergeordnet ist es mir wichtig, dass es mir gut geht. Bin ich emotional oder körperlich unfit, streiche ich Aktivitäten von der Prioritätenliste von unten nach oben.
Lifehack 4: Pareto statt Perfektion
Wenn Sie vielseitig und entspannt leben und arbeiten möchten, geht das nicht, wenn Sie sich täglich mit überhöhten Zielen und Ansprüchen selbst stressen. Daher versuche ich, mich in allen Lebensbereichen immer wieder mal frei von meinem selbst oder fremd auferlegten Ehrgeiz zu machen und stattdessen die Vielfältigkeit der Eindrücke, Menschen und Erfahrungen, die mir mein Leben ermöglicht zu genießen. Das Leben ist nicht perfekt und Sie müssen es auch nicht sein. Es geht vielmehr darum, dass wir immer wieder ausprobieren, was gut funktioniert und was uns und unsere Mitmenschen glücklicher macht. Fragen Sie sich, ob es wirklich in jedem Moment notwendig ist, 80% Ihrer verfügbaren Energie für die bis zur Perfektion notwendigen 20% aufzuwenden. An manchen Stellen ist es notwendig, aber nicht an allen.
Mut haben, sich selbst neu auszuprobieren
Ich glaube, wir sind nicht auf der Welt, um perfekt zu sein. Wir sind hier, um unsere Stärken und unser Potenzial voll auszuleben, denn damit bereichern wir die Welt am meisten. Wenn es also nicht in Ihrer Natur liegt, sich auf eine Ausbildung oder einen Beruf zu versteifen, dann trauen Sie sich, sich ein Leben zu erschaffen, das den verschiedenen Facetten Ihrer Persönlichkeit gerecht wird. Ein vielseitiges Leben zu führen ist kein Hexenwerk. Es ist das Ergebnis einer ehrlichen Selbstreflexion, einer Suche nach dem eigenen Lebenssinn und einem dynamischen Selbstbild. Und auch hier gilt: der Weg ist das Ziel, aber der Weg will eben auch gegangen werden.
Daher: Let's go!
Sie interessieren sich für ein Coaching bei mir? Hier finden Sie weitere Informationen: jessicadibella.de/coaching
Ich teile gerne auf kleinen und großen Bühnen mein Wissen und meine Erfahrungen rund um die Themen Self-Leadership, Resilienz und Change. Senden Sie mir Ihre Terminanfrage am besten per E-Mail an mail@jessicadibella.de.


