Ideen gesucht? 6 Techniken, um Ihre Kreativität zu steigern – ganz ohne KI
- Dr. Jessica Di Bella

- 16. Jan. 2022
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. März
Sie suchen nach neuen Ideen und kreativen Lösungen – außerhalb von ChatGPT? Ich stelle Ihnen sechs Techniken vor, die Sie privat oder beruflich zur Ideengenerierung einsetzen können. Wann immer Sie das Ziel verfolgen, wahrhaft „out-of-the-box“ zu denken, werfen Sie Ihre eigene innere Ideenmaschine an und tauchen in eines oder mehrere der vorgestellten Szenarien ein.
In diesem Artikel lernen Sie die folgenden Techniken kennen:
In der Folge stelle ich Ihnen sechs Dissoziationstechniken vor, die Ihnen dabei helfen, kreative Ideen zu entwickeln. In der Dissoziation verlassen Sie mental Ihre aktuelle Position und betrachten die Fragestellung aus einer komplett anderen Perspektive. Für eine richtig gute Idee, braucht es in den allermeisten Fällen sehr viele Ideen. Egal also, ob Sie im Beruf nach innovativen Ideen oder in Ihrem Privatleben nach kreativen Lösungen suchen, das Ziel sollte es zunächst sein, den Trichter aufzumachen, d.h. eine möglichst große Anzahl an Ideen zu generieren. Zusammengefasst und selektiert wird erst zum Schluss.
Station 1: Reise in die Vergangenheit
Reisen Sie 200 Jahre in die Vergangenheit. Versetzen Sie sich in die 1820er Jahre, die Zeit des Wiener Kongresses. Europa wird neu geordnet. Der Deutsche Bund, ein Zusammenschluss aus 41 Staaten, wird gegründet. Auf dem heutigen deutschen Staatsgebiet leben etwa 24 Millionen Menschen, zwei Drittel davon auf dem Land. Die Säuglingssterblichkeit liegt bei rund 30 Prozent. Die arbeitende Bevölkerung hat Arbeitszeiten bis zu 17 Stunden. Die ersten Mietshäuser entstehen. In England wird die erste frühe Rechenmaschine entwickelt, in New York wird Weihnachtsmann erfunden.
Welche Lösungen finden Sie aus diesem Kontext heraus für Ihr Problem? Arbeiten Sie mit der Infrastruktur und den Werkzeugen, die Ihnen vor 200 Jahren zur Verfügung gestanden hätten. Sie können die Idee zu späterer Stelle digitalisieren, aber bitte denken Sie nicht soweit, sondern lassen sich wirklich auf die Vergangenheit ein. Es mag verwunderlich klingen, aber die Reise in die Vergangenheit brachte bisher so gut wie immer die besten Ideen hervor, daher lohnt sich der Abstecher in jedem Fall!
Station 2: Reise in die Zukunft
Im zweiten Szenario folgt nun die Umkehr. Sie reisen 200 Jahre in die Zukunft und befinden sich nun in den 2220er Jahren. Was für eine Zahl! Und was für ein Leben! Alle Krankheiten sind mittlerweile heilbar. Wir Menschen werden älter denn je. Die Energieressourcen sind knapp und teuer. Wohnraum ist ein rares Gut. Gentechnik bestimmt unsere Ernährung, künstliche Intelligenz unseren Alltag.
Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit und erstellen Ihr Zukunftsszenario. Wie arbeiten die Menschen und wie bewegen sie sich fort? Wie fühlt es sich an, in dieser Zeit zu leben? Welche Bedürfnisse haben sie in dieser fernen Zukunft? Auch dieses Szenario ist fantastisch, um "out-of-the-box" zu denken.
Station 3: Ab in den Kindergarten
Nachdem wir an den ersten beiden Stationen den zeitlichen Kontext dissoziiert haben, lassen wir uns an den nächsten beiden Stationen auf ein anderes Lebensalter ein. Im dritten Szenario versetzen Sie und Ihre Teammitglieder sich bitte in den Kopf einer/s Fünfjährigen. Sie befinden sich noch im Kindergarten bzw. in der Kita. Playmobil, Einhörner und echte Tiere sind ebenso angesagt wie Toben im Freien und Outdoor-Spielzeug.
Wie lösen Sie als Kindergartenkind, gemeinsam mit Ihren Freunden, das Problem? Auf welche Ideen kommen Sie? Lassen Sie es ebenso spielerisch angehen, wie es die Kinder tun würden. Experimentieren Sie, spinnen Sie, erfinden Sie Phantasiegeschichten, während Sie spielerisch Ideen brainstormen.

Station 4: Ab ins Seniorenheim
Wir bewegen uns nun in einem etwas erfahreneren Kontext: ins Seniorenheim! Das Bewegen fällt Ihnen mittlerweile etwas schwerer, es kracht und ächzt an der einen oder anderen Stelle. Ja, Sie haben Ihre Wehwehchen, aber grundsätzlich geht es ihnen gut. Sie genießen die Gesellschaft mit Ihren Freunden im Heim. Sie haben Ihre gemeinsamen Rituale: Kaffeetrinken, Kartenspielen, Kegeln. Sie und Ihre Bekannten haben viel gesehen und erlebt, daher fällt Ihnen für alles eine Lösung ein. Auch mit 85 Jahren sind Sie noch voller guter Ideen.
Aus dieser Perspektive der Weisheit und der Sanftheit des Alters heraus: Was fällt Ihnen zu der Fragestellung ein? Wie gehen Sie als Mensch, den das Leben gelehrt hat, worauf es wirklich ankommt, das Thema an? Wie kann Ihre Lebenserfahrung Ihrer Zielgruppe dienlich sein?
Station 5: Die Taylor-Swift-Strategie
Im fünften Szenario schlüpfen Sie in die Haut einer Person, die Sie als kreativ und innovativ empfinden. Also jemand, der wandelbar ist, der sich immer wieder neu erfindet. "What would Taylor Swift do?" kann die Frage lauten. Oder aber auch "What would Madonna do?". Picken Sie einen Menschen heraus, der Sie inspiriert. Haben Sie keine Angst davor, in eine andere Geschlechterrolle zu schlüpfen. Und dann durchdenken Sie Ihre Ideen-Challenge aus der Perspektive der von Ihnen erwählten Person heraus.
Wie würde die Person das Thema angehen? Auch hier hilft es Ihrer Kreativität, wenn Sie sich zunächst in den Kopf des Transformations-Genies beamen. Wie denkt und handelt der Mensch? Wie geht er oder sie Themen an? Wie ist die Lebensenergie und Lebenseinstellung? Was würde die Person an Ihrer Stelle tun? Schauen Sie sich gerne ein, zwei Videos an und dann schlüpfen Sie in die Rolle und brainstormen.
Station 6: Die Anti-Lösungen
An der sechsten Station dürfen Sie ganz Sie selbst bleiben. Aber wir suchen hier nicht nach den perfekten Lösungen, sondern genau nach dem Gegenteil. Hier geht es darum, Anti-Lösungen für Ihre Ideen-Challenge zu produzieren. Anti-Lösungen sind absolute No-Go's. Was würden bzw. sollten Sie in der Situation niemals tun? Was wäre eine absolut schlechte Idee? Warum sollten Sie dies nicht tun? Welche ungeschriebenen Gesetze würden Sie damit verletzen?
Dieses Szenario macht richtig Spaß und löst Denkblockaden komplett auf. Sie können es also auch gerne zwischen den anderen Stationen einsetzen bzw. ein kurzes No-Go-Brainstorming einbauen, wenn Sie merken, dass Ihre Kreativität in den anderen Szenarien hinkt. Übrigens auch eine gute Technik, um festgefahrene Meetings oder Streitgespräche aufzulockern und lösungsbereit zu gestalten.
Das war er, der Push für Ihre Kreativität. Nachdem Sie die Ideen generiert haben, geht es nun daran, sie zu sortieren und zu selektieren. Manchmal bilden mehrere Ideen eine gemeinsame Lösung. Seien Sie auch hier kreativ! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Kreativität beim Einsatz in Ihrem Privat- und Berufsleben.
P.S. Natürlich können Sie die Szenariotechniken auch im Dialog mit ChatGPT oder einer anderen KI einsetzen. Ich bin gespannt auf Ihre Rückmeldung. Schreiben Sie mir: mail@jessicadibella.de
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